Wenn das Handy zum Stimmungskiller wird – Die dunkle Seite der Mobilität

So lieb wir unsere Smartphones über die Jahre auch gewonnen haben, es ist nicht alles nur Friede, Freude, Sonnenschein. Denn neben all den nützlichen Eigenschaften gibt es fast täglich mehr Aspekte rund um iPhone, Galaxy und Co., die uns zur Raserei bringen. Angefangen bei Kratzern am Gerät selbst, dem Telefon am Ohr im Straßenverkehr bis hin zum schwindenden Bezug zur Außenwelt.

Aber fangen wir beim Gerät selbst. Und bei der Schwerkraft, dem größten Feind unserer treuen Begleiter. iPhone 6 Besitzer werden ein Liedchen davon singen können, denn das aalglatte Handy flutscht permanent aus den Pfoten und geht krachend zu Boden. Ob nun aus zwei Metern Höhe oder beim Schuheschnüren aus 20 Zentimetern, das Resultat scheint immer die unmittelbare Explosion des Displays zu sein. Egal, wie sicher wir das Ding mit Handyhüllen und Schutzfolien verpackt haben. Die Stabilität ist einfach nicht die Stärke moderner Geräte. Nicht einmal das so genannte Gorillaglas vermag das abzuwenden. Das Video des Apple-Jüngers, der freudestrahlend aus dem Store kommt und sein nigelnagelneues iPhone direkt fallen lässt, kennt sicher jeder. Aber wir lachen kaum, wir leiden mit. Dass den Herstellern nicht daran gelegen ist, ihre Produkte widerstandsfähiger zu gestalten, ist klar. Denn die Kasse klingelt nur, wenn der werte User regelmäßig neue Smartphones kauft. Kein Einzelfall, dennoch äußerst ärgerlich.

Hans Guck-in-die-Luft der Neuzeit

Vielleicht wäre die Spider-App im Alltag gar nicht so verkehrt. So würden wir vielleicht nicht permanent auf das Handy starren, anstatt uns den Menschen gegenüber, die Landschaft oder mal ein gutes Buch zu Gemüte zu führen. Neben dem unsozialen Charakter unserer Smartphone-Sucht ist das natürlich auch ein Problem im Straßenverkehr. War früher das Telefonieren beim Autofahren schon ein Risiko, ist es jetzt vielmehr der Blick nach unten auf den Bildschirm und weg von der Straße. Laut einer großangelegten amerikanischen Studie wird das Unfallrisiko durch das Suchen des Telefons, das Telefonieren und vor allem das Lesen und Schreiben von Nachrichten vervierfacht. Dazu kommt auch die gesteigerte Häufigkeit, mit der auf den Bildschirm geblickt wird. Das soll immerhin 6,4% der Fahrzeit einnehmen. Dieses Phänomen macht auch vor Radfahrern nicht halt. Wenn der Vordermann in Schneckentempo und Zickzack-Kurs über die Kreuzung eiert, ist oftmals das Smartphone Schuld. Texten beim Radeln? Sind wir so wichtig, dass wir auch beim Fahrradfahren erreichbar sein müssen? Unnötig, gefährlich und Quell täglichen Ärgers. Da sind die Fußgänger, die mit dem iPhone in der Hand blind vor sich hin bummeln weitaus angenehmer.

Vierecke, den ganzen Tag nur Vierecke

Neben der gesteigerten Gefahr im Verkehr, hat das permanente Bildschirmgestarre aber auch auf unseren Kopf negative Auswirkungen. Denn wie schaut unser Alltag heutzutage in der Regel aus? Wir stehen morgens auf, lesen auf dem Weg zur Arbeit schon die ersten Mails und News, tippen im Büro dann acht Stunden lang Dinge in den Computerbildschirm, nur um nach getaner Arbeit auf dem Heimweg weiter den Blick auf einen Bildschirm zu richten. Wir kommen nach Hause und schwingen uns vor den Fernseher, um bei leichter Berieselung zu „entspannen“. Im schlimmsten Fall schauen wir simultan auf drei Bildschirme. Second Screening ist so 2015. Verrückt, oder? Wir schauen ununterbrochen in irgendwelche Vierecke. Vierecke am Morgen, am Mittag, Vierecke am Abend.

Dauerfeuer für Augen und Kopf

Was bedeutet das für unsere Gesundheit? Eine neuronale Katastrophe. Neben der übermäßigen Beanspruchung der Augen, welche sich durch Trockenheit und müde Lider bemerkbar macht, wird vor allem unser Gehirn permanent mit Information beschossen. Die Folgen können Müdigkeit, Konzentrationsmangel, Schwindelgefühle, gar Burnout-Symptome und Depression sein. Das Bewusstsein hierfür ist leider gering, was wohl der eigentliche Aufreger ist. Dazu kommt ein gesteigertes Stresslevel, weil wir mit der andauernden Erwartung neuer Nachrichten und Anfragen durch die Welt laufen. Dagegen hilft – wie bei allen Suchterkrankungen – erstmal das Erkennen, gefolgt von der bewussten Entwöhnung. Das mag für viele erstmal einfach klingen. „Ich kann jederzeit damit aufhören!“. Aber klar doch. Wer mal versucht, beim Warten auf die U-Bahn oder in unangenehmen Situationen, nicht das Handy zu zücken, wird merken, wie automatisiert der Griff in die Hosentasche mittlerweile abläuft. Leichter ist es tatsächlich, das iPhone oder auch Huawei P8 Lite einfach mal komplett zuhause zu lassen. Das widerspricht dem Sinn eines Mobiltelefons natürlich, das befreiende Gefühl, einmal nicht erreichbar zu sein, ist aber Gold wert. Also am besten das Handy einfach mal zuhause „vergessen“. Wirkt wahre Wunder.

Ruhe jetzt!

Oftmals wünscht man sich aber, die Menschen um einen herum hätten ihr Smartphone mal zuhause liegen gelassen. Egal, wo wir hinkommen – auf öffentlichen Plätzen, im Bus oder im Kino – wir werden mit dem Privatleben anderer Leute behelligt. Niemand möchte dem Ehestreit am Telefon lauschen. Privates ist privat. Scheinbar ist vielen Leuten dieser Feinsinn aber komplett abhandengekommen. Na danke. Ebenso rücksichtslos werden wir mittlerweile mit Musik beschallt, um die gar wir nicht gebeten haben. Das Handy als moderner Ghettoblaster. Wenn es doch wenigstens eine schöne Sonate wäre. Nein, wir werden mit Gangsterrap, Techno oder Punk malträtiert. Hat man früher schon mit den Augen gerollt, wenn der Sitznachbar den Walkman zu laut aufgedreht hat, sehnt man sich heute nach dieser doch dezenten Ruhestörung fast zurück. Aber auch das Leuchten des Displays ist an einigen Orten komplett fehl am Platz. Im Kino oder vor der Bühne ist so ein latentes Strahlen im Augenwinkel schlichtweg nervig, da es vom eigentlichen Geschehen ablenkt und der Atmosphäre abträglich ist. Da beginnt man sich zu fragen, wieso der Handyjunkie überhaupt Geld für den Kinobesuch ausgibt, wenn er eh lieber mit dem Smartphone hantiert. Wer ähnlich denkt, hebe jetzt bitte die Hand. Danke.

Was machen wir jetzt damit?

Die Beweisführung ist für’s Erste abgeschlossen. Wir haben mannigfaltige Gründe gefunden, das Telefon mal beiseite zu legen. Machen wir das auch? Wahrscheinlich nicht. Dazu sind wir ihm mittlerweile zu eng verbunden. Dabei würde es sicherlich guttun, Abstand zu gewinnen und den Blick für unsere Mitmenschen frei zu haben. Und: je seltener wir das Smartphone zur Hand nehmen, desto geringer ist die Gefahr, dass es uns aus selbiger fällt und kaputtgeht.